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Willinger Feuerwehren stellen

Vorstand um Jürgen Querl neu auf

Markus Schmitz neuer stellvertretender GBI

Die Willinger Feuerwehren befürchten Nachwuchsprobleme in der Zukunft und wollen die Jugendwehren stärken. Der Vorstand hingegen konnte erneuert werden. Die Willinger Feuerwehren haben sich nach Corona-Pause wieder zur Jahreshauptversammlung getroffen und dabei Gemeindebrandinspektor Jürgen Querl im Amt bestätigt. Ansonsten wurde der Vorstand komplett erneuert: Als Querls Stellvertreter folgt Markus Schmitz auf Jürgen Schalk.Themen waren etwa die notwendige Stärkung der Nachwuchs-Arbeit, Probleme mit dem Digitalfunk und das Bömighäuser Feuerwehrhaus.

Willingen (Upland) – Schon vor der Impfung seien sie immer voll einsatzfähig gewesen, nie habe ein Einsatz eine Infektion nach sich gezogen, lobte Gemeindebrandinspektor Jürgen Querl seine Kameraden – nun, da alle vollständig geimpft seien, konnten sie sich wieder zur Jahreshauptversammlung treffen.

Wegen der verschobenen Neuwahlen war das auch nötig. Jürgen Querl wurde einstimmig wiedergewählt – für seine letzte Amtszeit, wie er verkündete. Das Vorstandsteam um ihn herum wurde derweil erneuert: Markus Schmitz aus Usseln wurde zum neuen stellvertretenden Gemeindebrandinspektor gewählt und tritt so die Nachfolge von Jürgen Schalk an. Die Schriftführung übernimmt Tobias Mertens, seine Stellvertretung Silke Quick – das Willinger Duo folgt auf Tanja Kesper. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Jugendwarteausschuss Michael Emde aus Usseln zum Nachfolger Christian Querls gewählt.

Auf zwei sehr unterschiedliche Jahre blickte Jürgen Querl zurück: 2019 war noch ein Rekordjahr mit 160 Einsätzen über 2799 Stunden. 2020 war Willingen mit Lockdowns und ohne Fremdenverkehr viel ruhiger: 85 Einsätze nahmen 1123 Stunden in Anspruch. Konstant blieb bloß die Zahl der Fehlalarme wegen falsch aufgestellter oder sorglos betriebener Brandmeldeanlagen.

Der Leistungsstand der Kameraden sei als sehr gut zu bezeichnen, befand Querl – nur mit der Anzahl der Streckendurchgänge für Atemschutzgeräteträger zeigte er sich unzufrieden. „Ich sage es jedes Jahr: Das muss insgesamt besser werden.“ Ohne Durchgang gelten die Einsatzkräfte nicht als tauglich.

Willinger Wehren besorgt: Viele Kameraden stehen vor der Rente

Was noch größere Sorge bereitete: Zwar sind die Upländer Wehren mit 240 Männern und 16 Frauen im aktiven Dienst noch weitgehend stabil, aber geburtenstarke Jahrgänge stehen kurz vor der Rente. Derweil sinken landesweit die Mitgliederzahlen der Jugendfeuerwehren – von Glücksfällen abgesehen der einzigen Nachwuchs-Quelle. Kameraden, Gemeinde, Bevölkerung: Alle müssten für die Bedeutung der Nachwuchsarbeit sensibilisiert werden. Sonst drohe der Wegfall von Einsatzabteilungen und längere Zeit, bis Helfer im Notfall anrücken.

Zuletzt waren 21 Jungen und sieben Mädchen bei den Upländer Jugendfeuerwehren dabei. 2019 wie 2020 rückten jeweils drei Mitglieder in die Einsatzabteilung auf – es gingen aber auch je vier verloren, mit Schule und Berufsausbildung als häufigsten Gründen, erklärte Michael Emde. Derweil wurden nur vier beziehungsweise fünf Neulinge gewonnen.

Eine Postkartenaktion soll alle Upländer zwischen 10 und 14 Jahren ansprechen. Emde rief dazu auf, ruhende Jugendarbeit wieder aufzunehmen oder sich zumindest für Fahrdienste zu anderen Jugendwehren zur Verfügung zu stellen. Immerhin: Die Bambini-Wehr hat 15 bis 20 regelmäßige Teilnehmer, von denen fünf dieses Jahr zehn Jahre alt werden und aufrücken können.

Corona erschwerte den Jugendwehren die Arbeit, aber wann immer möglich wurde geübt oder auch mal Spaß gehabt. Landesjugendfeuerwehrwart Markus Potthof befand: „Kinder und Jugendliche vermissen die Gemeinschaft und draußen zu sein. Ich glaube, dass wir als Jugendfeuerwehr vermitteln können, dass wir verantwortlich und sicher damit umgehen.“

Thema Digitalfunk lässt Willinger Wehren nicht los

„Es ist eine unendliche Geschichte: der Digitalfunk“, erklärte Jürgen Querl. Die Alarmierung in Usseln und Rattlar funktioniere immer noch nicht richtig, weshalb parallel SMS verschickt werden müssen. Eine Basisstation am Ettelsberg richtig anzuschließen, habe die Gemeinde Geld gekostet – nur ein Beispiel für die Folgekosten der Einführung des Digitalfunks. Die Umstellung der Sirenensteuerung verzögerte sich wegen Corona; in Willingen müssen Sirenen erst noch neu installiert werden. Immerhin stellte das Land einen mobilen Stromversorger, falls die Versorgung ausfällt. „Für ein Hochtechnologie-Land, wie Deutschland es sein möchte, ist da noch Luft nach oben“, drückte sich der stellvertretende Kreisbrandinspektor Bernd Berghöfer vorsichtig aus.

Hohe Preise am Markt: Bömighäuser Feuerwehrhaus verzögert

Die Wertschätzung der gemeindlichen Gremien überbrachte Bürgermeister Thomas Trachte – um die angemessene Ausstattung der Feuerwehren gebe es keinerlei Diskussionen. Eine Verzögerung gebe es aber beim Neubau des Feuerwehrhauses Bömighausen: Die Ausschreibung ergab doppelt so hohe Kosten wie geplant, die Lage am Markt sei im Augenblick schwierig. Deshalb lohne sich, bis in Herbst oder Winter zu warten.

Zudem stellte sich heraus, dass einige Straßen speziell in Willingen zu schmal für größere Einsatzfahrzeuge sind. Trachte und Bernd Berghöfer berichteten von der gefundenen Lösung: Es soll ein wendiges Vorauslöschfahrzeug angeschafft werden.

In Eimelrod gab es 2019 ein neues TSF-W, für Hemmighausen und Bömighausen wurden Zuschussanträge für Anschaffungen 2022 gestellt. In Willingen soll 2024 ein neuer Einsatzleitwagen zum Fuhrpark stoßen. In Bömighausen wurde eine Zisterne zur Löschwasser-Versorgung gebaut.

Die Feuerwehrhäuser in Rattlar und Schwalefeld erhielten Absauganlagen, weil Umkleiden und Garagen nicht zu trennen sind; Eimelrodern und Schwalefeldern dankte Querl für Arbeiten in Eigenleistung.

Bei der Veranstaltung in der Usselner Schützenhalle grüßte Ortsvorsteher Friedrich Wilke – und warb für mehr personelle Unterstützung: „Für jeden, der Hab und Gut in der Gemeinde hat, sollte es normal sein, dass er in der Feuerwehr ist.“ Wenn nicht im Einsatz, dann zumindest passiv.

Upländer Kameraden geehrt, befördert, ausgezeichnet und verabschiedet

Mit der Floriansmedaille am Bande in Gold wurde Hans-Heinrich Holwoschka für seine Verdienste um die Upländer Feuerwehr ausgezeichnet, gerade seine Zeit als Gemeindebrandinspektor von 1990 bis 2010. „Deine Handschrift ist heute noch zu sehen“, würdigte ihn Nachfolger Jürgen Querl. In Bronze ging die Auszeichnung für ihre vielseitigen Verdienste an Dieter Marpe (Willingen), Peter Tenbusch (Schwalefeld) und Manfred Hellwig (Rattlar) – im Falle von Marpe und Hellwig zum Abschied: „Solche Leute suchen wir, solche Leute gibt es kaum noch“, befand Querl.

Das Silberne Brandschutzverdienstzeichen am Bande erhielt der scheidende stellvertretende Gemeindebrandinspektor Jürgen Schalk (Usseln). Er blicke auf schöne Begegnungen und belastende Einsätze zurück: „Es ist wichtig, dass wir uns kameradschaftlich und auf Augenhöhe begegnen. Tragt diesen Geist weiter“, verabschiedete er sich.

Das Brandschutzehrenzeichen am Bande in Gold für 40 Jahre in der Feuerwehr ging an Kristian Küthe (Usseln), sowie nachträglich für 2019 noch an Jürgen Trachte (Welleringhausen), Martin Schäfer und Manfred Feistner (Rattlar) sowie Detlef Emde (Willingen). Für 25 Jahre ging das Abzeichen in Silber 2020 an Christopher Trachte (Eimelrod) und Kai Bärenfänger (Schwalefeld), für 2019 an Christopher Leeser, Christian Rummel, Sebastian Becker und Timo Bärenfänger (Schwalefeld), Frank Bärenfänger (Willingen) und Sebastian Vogel (Usseln).

Zu Oberlöschmeistern befördert wurden Eric Vollbracht (Usseln) und Kai Bärenfänger (Schwalefeld). Bereits 2019 verdienten sich ihren Rang Domenica Cullotta (Willingen) als Löschmeister, Chris Becker (Schwalefeld) als Oberlöschmeister sowie Patrick Taschner (Usseln) und Tobias Mertens (Willingen) als Hauptlöschmeister.

Das Hessische Feuerwehrleistungsabzeichen in Gold-10 errang Andreas Stracke, in Gold-5 Lukas Raupach, in Gold Peter und Patrick Tenbusch. Für die „Erfolgsstory“ der Upländer Bambini-Gruppe ging die Kinderfeuerwehr-Medaille in Silber an Nicole Mehlhorn und Sonja Saure. (wf)

 

© Wilhelm Figge